Lexikon

Corticales Implantat

Ein Corticales Implantat ist eine, durch Operation in den Cortex (Hirnabschnitt) eingepflanzte Sehprothese, welche das Gehirn durch elektrische Impulse stimuliert und Seheindrücke hervorruft.  Bisher sind solche Versuche noch im Experimentalstadium und nicht für Menschen zugelassen. Da ein solches Corticales Implantat neuronale Funktionen stimuliert, versucht man bestimmte sensorische Ausfälle, wie Blindheit oder Taubheit durch elektrische Impulse zu ersetzen, die wieder Sinneseindrücke ermöglichen, jedoch mit der gesunden Sehfunktion nicht viel gemeinsam haben. Ein wirklich funktionierendes Corticales Implantat, auch bionisches Auge genannt, müsste die Sehfähigkeit auch bei zerstörter Netzhaut, oder defektem Sehnerv wieder herstellen können, wenn andere Massnahmen, wie zum Beispiel eine Retinaprothese keinen Erfolg zeigen.  Eine große Hilfe wäre der Einsatz solcher Implantate bei Unfällen mit Augenschäden, oder bei „Grünen Star“ (Glaukom).

Der US-Biophysiker Debelle implantierte um das Jahr 2000 einige von ihm entwickelte Sehprothesen, die bei seinen Patienten ein zeitweiliges rudimentäres Sehen ermöglichten, aber insgesamt scheiterten diese Versuche.  Auf welcher Basis funktioniert dieses künstlich erzeugte Sehen?  Cortical Implantate funktionieren auf der Basis von Lichtpunkten (Phos-phenen) die auftreten, wenn der Cortex durch elektische Signale stimuliert wird. Mit Hilfe eines Elektrodenfeldes lassen sich eine Vielzahl solcher Lichtpunkte erzeugen, die dann von der Person als zusammengesetzte Hell-Dunkelbilder gesehen werden. Allerdings fehlt der Kontrast und die Tiefenschärfe, sodaß nur eine grobe Orientierung damit möglich ist. Die Verbindung mit der Umwelt stellt eine,  in ein Brillenglas integrierte Kameralinse her, deren Bildsignale in einem am Körper zu tragenden Mini-PC verarbeitet und an die Sehprothese weitergeleitet werden. Um ein derartiges  Corticale Implantate wirklich nutzbar einsetzen zu können, sind noch viele Probleme zu lösen, wie zum Beispiel die drahtlose Signalübertragung, die aber auch Kopfschmerzen und Krampfanfälle auslösen kann. Am besten wäre wohl die Implantation eines gesunden Auges, aber dies scheint noch größere Probleme in der Mikrochirurgie zu bereiten.