Lexikon

Kammerwasser

Ohne die Flüssigkeit in den beiden Kammern des Auges würde das „Sehen“ nicht funktionieren, denn das Kammerwasser versorgt nicht nur das Auge mit Nährstoffen, sondern es hält auch den Augeninnendruck des Auges aufrecht. Das funktioniert aber nur dann, wenn ein ständiges Gleichgewicht zwischen Zufluss und Abfluss besteht. Wird dieses Gleichgewicht gestört, kann dies zu schweren Augenerkrankungen und zur Erblindung führen. Das Kammerwasser ist eine transparente Flüssigkeit, die sich in der vorderen und hinteren Augenkammer befindet. Seine Bestandteile sind wie Blutplasma, es enthält jedoch weniger Eiweiß und Bilirubin. Daher ist es auch farblos. Kammerwasser besteht zu etwa 98% aus Wasser. Die restlichen zwei Prozent bestehen aus Aminosäuren, Elektrolyten, Milchsäure, Ascorbinsäure (Vitamin C), Glutathion, Immunglobuline und Spuren von Wasserstoffperoxid. Das Kammerwasser wird am Ziliarkörper gebildet und versorgt die  Hornhaut, Linse, Retina und den Glaskörper mit Nährstoffen. Außerdem erzeugt es den Augeninnendruck, der zur Formstabilität der inneren Strukturen im Auge unbedingt nötig ist.  Für die Produktion des Kammerwassers sind Enzyme verantwortlich, welche die Umwandlung von Kohlensäure zu Wasser im Ziliarkörper katalysieren, da die Bildung von Kammerwasser in der hinteren Augenkammer, am Ziliarkörper erfolgt. Daran sind drei wichtige Prozesse beteiligt, die das Kammerwasser durch Ultrafiltration, Diffusion und aktive Transportprozesse bilden. Da es eine hochspezifische chemische Zusammensetzung besitzt, ist seine Separierung vom Blutkreislauf erforderlich. Für diese Trennung sorgt eine Blut-Kammerwasser-Schranke, welche einen ähnlichen Aufbau wie die Blut-Hirn-Schranke aufweist. Es ist eine hochspezifische Bindegewebsschicht, die nur spezielle Substanzen zwischen Blut und Kammerwasser passieren lässt. Vom Corpus ciliare fließt es zwischen Iris und Linse hindurch, in die vordere Augenkammer und über das sogenannte Trabekelwerk erfolgt dann der Abfluss des Kammerwassers in ein venöses Geflecht in der Hornhaut, von wo  die Flüssigkeit wieder in den Blutkreislauf gelangt. Die Funktion des Kammerwassers besteht zur Hauptsache in der Versorgung von Hornhaut, Linse, Retina und Glaskörper mit Nährstoffen. Kammerwasser ist auch für die Formstabilität des Auges und der inneren Strukturen durch den Druckaufbau notwendig. Der Druck darf dabei nicht zu hoch und nicht zu niedrig und nicht zu hoch sein. Deshalb wird er ständig reguliert. Dabei erfolgt die Regulierung über Beta-Rezeptoren. Die Produktion von Kammerwasser ist auch vom Blutdruck abhängig. Ein erhöhter Blutdruck führt zu seiner erhöhten Produktion von Kammerwasser. Die Produktionsmenge von Kammerwasser nimmt im Alter oder bei Diabetes mellitus ab.  Bedeutender als ein Druckabfall ist jedoch die Erhöhung des Augeninnendruckes. Das führt langfristig zur Schädigung des Auges mit der Folge einer möglichen Erblindung. Die resultierende Erkrankung wird als Glaukom oder Grüner Star bezeichnet. Eine Besonderheit ist der Glaukomanfall. Dabei kommt es aufgrund der Verlegung des Kammerwinkels zu einer plötzlichen Verminderung des Kammerwasserabflusses. Neben Verschlechterung der Sehkraft treten Augenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Herzrhythmusstörungen auf. Es gibt jedoch auch Formen der Erkrankung mit einem normalen Augeninnendruck. Deshalb bei unklaren Beschwerden sofort einen Augenarzt konsultieren!