Lexikon

Optischer Mittelpunkt

Der Begriff Optischer Mittelpunkt stammt aus der Augenoptik und bezog sich zuerst nur auf das Auge. Mit der Erfindung der Brillengläser wandte man diesen Begriff auch auf Brillengläser an, um deren Funktionsbeschreibung exakter definieren zu können.  Diesen Punkt auf einer Glasoberfläche nennt man auch Kardinalpunkt. In diesem Punkt ist die prismatische Wirkung (die Zerstreuung weissen Lichtes in ihr Farbspektrum) Null. Auf Brillengläser bezogen ist dieser Punkt bei Konvexgläsern (Sammellinsen) der Punkt, wo die Linse am stärksten ist und bei Konkavgläsern dort, wo die Linse am dünnsten ist.

Aus der Sicht der Objektabbildung entsteht in diesem optischen Mittelpunkt ein gemeinsames Zwischenbild beider Hauptpunkte, das bedeutet, daß sich alle Strahlen eines Lichtbündels in diesem Punkt schneiden. Bei ihrem Austritt aus der Linse werden diese durch die Fläche der Linse parallel versetzt.  Im Optischen Mittelpunkt einer Linse erfolgt daher keine Sehfeldkorrektur, da genau hier der optische und geometrische Mittelpunkt zusammentreffen.

Für die Korrektur bestimmter Arten des Schielens (Strabismus) ist die prismatische Wirkung eines Brillenglases erwünscht, d.h. man nutzt die prismatische Wirkung etwas außerhalb des optischen Mittelpunktes als Korrekturfaktor. In einem Brillenpass findet man den Prismenkorrekturwert zumeist abgekürzt als PRIS (Dimension cm/m). Eine Fehlstellung der Augen kann so, durch ein Prisma korrigiert werden, da die Augen in unterschiedlicher Weise die Abbildung der Umwelt nicht gleichäßig korrekt erkennen können. Durch den Prismenkorrekturwert wird quasi der Optische Mittelpunkt  der Linse verschoben und den Augen des Betrachters angepaßt. Diese Korrekturart hat ihre Grenzen dadurch, daß die Linsenkörper bei stärkerer Korrektur immer dicker werden.