Lexikon

Biokompatible Kontaktlinsen

Man bezeichnet Werkstoffe, die keine negativen Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben, als biokompatibel, also mit dem Leben vereinbar. Im täglichen Leben gibt es viele Stoffe, die eine schädigende Auswirkung auf unsere Gesundheit haben, jedoch ist es im Bereich der medizinischen Versorgung mit „Ersatzteilen“ für Menschen, wie Herzklappen, Schrittmacher, Insulinpumpen, künstliche Gelenke, Zahnimplantate, aber auch für Kontaktlinsen unbedingt erforderlich, daß sie biokompatibel sind. Die ausgesuchten Werkstoffe befinden sich für zumeist lange Zeit im Körper eines Menschen und dürfen sein Wohlbefinden nicht wesentlich beeinflussen und sie sollten auch nicht wieder abgestoßen werden (Unverträglichkeitsreaktion).

Wenn wir uns die Kontaktlinsenwerkstoffe ansehen, dann sind deren Basiskriterien, der Tragekomfort und die Verträglichkeit auf der Hornhaut der beiden Augen. Das ist von größter Wichtigkeit, denn wenn die Augen schon kurz nach dem Aufsetzen der Kontaktlinsen extrem tränen, oder sich stark röten und entzünden würden, wäre die Anwendung nicht möglich. Das Materiel wäre nicht biokompatibel oder wie man auch sagt, nicht bionisch! Wenn der Trägerstoff nicht bionisch ist, so muss eine schützende biokompatible Schicht aufgebracht werden, damit der Grundstoff nicht mit dem Körper in direkten Kontakt kommt. Man bezeichnet diesen Zustand als nur „Oberflächenkompatibel“. Die Suche und die Auswahl nach biokompatiblen Werkstoffen ist äußerst aufwendig und die gefundenen Materialien müssen in langen Versuchsreihen an Lebewesen getestet werden. Später geben über die erzielten Ergebnisse, die dazu angelegten Studien und geprüften Zertifikate Auskunft, ob ein Produkt biokompatibel ist, oder auch nicht.

Biokompatible Kontaktlinsen zeichnen sich durch folgende Eigenschaften aus:

  • sie bewirken keine Irritationen (Abwehrreaktionen) gegenüber den Augen, da sie als „körpereigen“  registriert werden,
  • sie garantieren eine permanente Benetzung der Kontaktlinse mit einem Tränenfilm, da sie über eine hohe Wasserbindungsfähigkeit verfügen,
  • sie sind für Sauerstoffmoleküle durchlässig, somit wird die Sauerstoffversorgung des Auges nicht gestört,
  • sie können sehr lange auf den Augen getragen werden,
  • sie sind besonders für das „trockene“ und empfindliche Auge geeignet.

Diese gute Verträglichkeit verdanken die biokompatiblen Kontaktlinsen vor allem dem chemischen Stoff  Phosphorylcholin. Dieser Stoff kommt in allen pflanzlichen, tierischen und menschlichen Zellen vor und wird deshalb als eine synthetische Kopie für eine Polymerbeschichtung der Kontaktlinsen verwendet. Ebenso ist der Stoff Hyaluron bionisch und wird bei Gelenkproblemen eingesetzt. Mit biokompatiblen Kontaktlinsen in den verschiedensten optischen Spezifikationen (multifokal, torisch oder  shärisch) lassen sich die  Fehlsichtigkeiten: Astigmatismus (Hornhautverkrümmung), Myopie (Kurzsichtigkeit), Hyperopie (Weitsichtigkeit) und Presbyopie (Altersweitsichtigkeit) korrigieren.