Lexikon

Dickenreduzierung

Brillengläser mit dicken Wandstärken sind nicht nur schwer, sondern auch unästhetisch. Daher versuchen die Glashersteller immer neue, leichtere und optisch bessere Werkstoffe zu entwickeln. Dabei haben die Glasentwickler drei Optionen, um eine Dickenreduzierung zu realisieren.  Entweder die Brillengläser werden von ihrer Fläche her kleiner gestaltet, oder es werden asphärische (nichtkugelförmige) Glasdesigns benutzt, oder es kommen höherbrechende Gläser zum Einsatz. Früher, als man noch nicht über Kunststoffgläser verfügte und auch nicht über hochmoderne Schleifverfahren, waren die Linsen schwer und verunstalteten auch den Brillenträger. Die Augen wurden bei starken Pluskorrekturen unnatürlich groß, bei starken Minuswerten sehr klein. Das sah nicht immer gut aus! Und man erreichte durch die dicken Linsen auch bald das Ende der Möglichkeiten. Die maximale Dicke ist bei Plusgläsern (Konvexlinsen) stets in der Mitte und bei Minusgläser (Konkavlinsen) stets am Rand. Einen echten Innovationsschub erhielt die Dickenreduzierung erst, als man höherbrechende Glasmaterialien entwickelte, da die maximal Brechkraft einer Linse bereits bei geringerer Krümmung und damit bei Glasdicke erreicht wurde, als bei bisherigen Gläsern.

Hochbrechende Kunstoffe haben Brechungsindizes vom 1,74, bei Flintglas sogar 1,9. Herkömmliches Mineralglas etwa 1,5.  Das bedeutet, es sind Dickenreduzierungen um etwa 50% möglich. Eine Dickenreduzierung erhöht auch die Abbildungsqualität, besonders, als man die typische bikonkave oder bikonvexe Glasform verließ und sogenannte Meniskuslinsen einsetzte.  Durch die Anwendung einer wahlweise konvexen Vorderseite in Kombination mit einer konkaven Rückseite und umgekehrt, ergaben sich dünnere Linsen mit weniger Abbildungsfehlern. Daher ist die Mensikusform auch jetzt noch das typische Brillenglas. Dann ging man noch einen Schritt weiter und gestaltete eine oder beide Seiten des Brillenglases asphärisch (nicht kugelförmig). So erreichte man eine weitere Dickenreduzierung und eine nochmalige Erhöhung der Abbildungsqualität. Das asphärische Design erreicht man, in dem das Brillenglas zum Rand hin immer dünner geschliffen wird. Der exakte Krümmungsverlauf wird berechnet und die Schleifvorrichtung arbeitet exakt analog nach diesen Vorgaben.