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Farbenblind (Farbschwäche) -
Wie sieht man die Umwelt?

Farbenbild: das Krankheitsbild verstehen und damit richtig umgehen

Farbenblindheit kennt als Begriff fast jeder Mensch. Allerdings wissen die wenigsten Personen im Detail, was sich dahinter verbirgt. So werden beispielsweise Begriffe wie Rot-Grün-Schwäche undifferenziert dem Label „farbenblind“ zugeordnet. Nachfolgend soll das Thema daher einfach verständlich vorgestellt werden – und zwar nicht nur in Bezug auf Menschen.

Was ist Farbenblind?

Farbenblindheit beschreibt als Begriff prinzipiell jede Form von Farbfehlsichtigkeit. Diese kann erblich bedingt oder erworben worden sein. In den Augen haben Menschen drei Zapfenzellen. Diese sind für das Sehen der Farben zuständig. Der erste Zapfen reagiert besonders auf rotes Licht, der zweite speziell auf grüne Lichteinstrahlung und der dritte auf blaue. Diese Zapfen heißen Farbtüchtige, um ihre Aufgabe deutlich zu machen.

Wer überhaupt keine Farben sehen kann, leidet unter der sogenannten Achromatopsie. Alle Zapfen sind ausgefallen.

Nur ein Mensch von 100.000 leidet unter diesem Phänomen. Wer bestimmte Farben nicht erkennt, hat mit einer Dichromasie zu kämpfen. Ein Zapfen arbeitet nicht mehr. Ebenfalls selten ist die Monochromasie, bei der nur eine Farbe wahrgenommen werden kann. In diesem Fall funktioniert lediglich einer Zapfen.

Farbensehschwäche ist eigentlich keine Farbblindheit

Eine Farbensehschwäche ist keine echte Farbblindheit, auch, wenn sie gemeinhin so genannt wird. Keiner der Zapfen ist einem solchen Fall vollständig ausgefallen. Kann eine Person eine Farbe nicht gut erkennen, funktioniert einer nicht richtig, arbeitet aber prinzipiell noch. Offiziell ist von einer Farbsinnstörung die Rede. Hierbei handelt es sich eigentlich immer um eine Dichromasie. Zwei Zapfen arbeiten also weiter problemlos.

Medizinisch sind drei Arten von Farbsinnstörungen zu unterscheiden:

Protanopie: Rotblindheit

Bei Protanopie handelt es sich um den Fachbegriff für Rotsehschwäche. Je nach Schwere können die Betroffenen die Farbe vielleicht sogar noch erkennen. Sie sieht allerdings Grün sehr ähnlich. Betroffenen fehlt es zudem ebenfalls schwer, Blau und Grün zu unterscheiden. In schweren Fällen sind die Unterscheidungen überhaupt nicht mehr möglich.

Deuteranopie: Grünblindheit

Bei der Deuteranopie handelt es sich um die Grünsehschwäche. Betroffene haben Probleme, Grün und Rot zu unterscheiden. Schwierigkeiten können auch graue, lilane und blaue Farbtöne machen – dies muss aber nicht so sein.

Tritanopie: Blaublindheit

Die Tritanopie ist die Blausehschwäche. Hierbei sind die lichtsensitiven Photorezeptoren auf der Netzhaut nicht ausgebildet, die eigentlich blaues Licht so filtern sollen, dass es erkennbar ist. Betroffene können Hellbau und Grau nicht unterscheiden. Probleme machen auch Töne in einem dunklen Lila. Diese werden oft mit Schwarz, Mittelgrün und Blau verwechselt. Schwierigkeiten macht ebenfalls die Unterscheidung zwischen Orange und Rot.

Diese Dinge sollte man unbedingt über Farbenblindheit wissen

Die bisherigen Erläuterungen waren stark medizinisch. Nachfolgend finden Sie die wichtigsten Punkte rund um das Thema der Farbenblindheit für den Alltag.

Die wichtigsten Punkte auf einen Blick

  • Symptome für Farbenblindheit
  • Entstehung: genetisch oder erworben
  • Medikamente können Probleme bereiten

Symptome für Farbenblindheit

Viele Menschen leben lange ohne das Wissen, farbenblind zu sein. Für sie ist ihre Sicht normal. Symptome, die als Alarmsignale dienen, sind lichtempfindliche Augen, ein generell schlechtes Sehvermögen (fast immer Kurzsichtigkeit) sowie ein unwillkürliches Zittern der Augen, das Nystagmus genannt wird.

Entstehung: genetisch oder erworben

Es wurde bereits oben angerissen: Farbenblindheit kann genetisch bedingt sein oder erworben werden. Bei einer erblichen Sehstörung sind beide Augen betroffen. Die Farbblindheit liegt zudem seit der Geburt vor. Sie ändert sich im ganzen Leben nicht, sondern bleibt konstant. Eine erworbene Farbblindheit kann beispielsweise durch eine Verletzung der Netzhaut stammen. Die Sehschwäche kann sich im Laufe der Zeit verschlechtern.

Medikamente können Probleme bereiten

Es gibt Fälle, in denen Medikamente die Sehstörungen auslösen. Schlafmittel zählen beispielsweise dazu. Es wird dabei von einer Vergiftung gesprochen. Sobald der schädliche Einfluss entfällt, besteht die Chance, dass sich die Farbenblindheit wieder legt. Hier kommt es aber auf die Schwere der Vergiftung und den genauen Stoff an.

Test für Farbenblindheit: Diese Möglichkeiten gibt es

Die Symptome für Farbblindheit sind nicht eindeutig. Sie können auch auf eine andere Krankheit hindeuten. Deshalb sind spezielle Tests notwendig, um das exakte Krankheitsbild zu bestimmen.

Die Tests für Farbblindheit auf einen Blick

  • Ishihara-Tafeln
  • Farben legen
  • Farben und Formen zuordnen
  • medizinische Diagnostik mit Anomaloskop und Elektroretinografie (ERG)
  • Gentests

Ishihara-Tafeln

Der bekannteste Test für Farbensehstörungen sind wohl die Ishihara-Tafeln. Diese enthalten Muster in bestimmten Farben, die Betroffene nicht identifizieren können. Ein Beispiel sind die Velhagen-Stilling-Tafeln. Weitere Tafeln (offiziell als Tests bezeichnet) sind:

  • Standard Pseudoisochromatic-Plates-Test
  • Richmond-HRR-Test
  • Cambridge-Colour-Test

Farben legen

Das Legen von Farben schließt sich oft als Test an die Tafeln an, kann aber auch alleine stehen. Hier geht es darum, welche Zapfen ausgefallen sind. Patienten erhalten beispielsweise kleine Steine in bestimmten Farben und sollen diese ordnen. Ein bekanntes Beispiel für das diagnostische Legen von Farben ist der Farnsworth-D15-Test.

Farben und Formen zuordnen

Dieser Test ist für Kinder ab drei Jahren gedacht. Im Prinzip funktioniert er wie die Ishihara-Tafeln. Statt Zahlen und Symbolen (die den Kindern noch unbekannt sind) kommen Formen zum Einsatz. Was sie erkennen, müssen sie an einem entsprechend geformten Bauklotz zeigen. Die Untersuchung heißt Color-Vision-Testing-Made-Easy-Test (CVTME-Test) für Kinder.

Medizinische Diagnostik mit Anomaloskop und Elektroretinografie (ERG)

Auch mittels medizinischer Geräte lässt sich eine Farbblindheit testen. Bei einem Anomaloskop sehen Patienten bestimmte Farben und haben Regler, um deren Intensität anzugleichen. So offenbaren sich bestimmte Sehschwächen. Bei einer ERG können Beschädigungen der Netzhaut identifiziert werden.

Gentests bei Farbenblindheit

Bei geerbten Farbsehstörungen sind bestimmte Gene mutiert. Diese lassen sich über einen Test bestimmen. Dieses Verfahren kommt vor allem bei Kindern unter drei Jahren zum Einsatz, bei dem der entsprechende Verdacht besteht.

Farbenblind-Brille: Was verspricht die Brille und was ist realistisch?

Farbenblind-Brillen sind eine typische Hilfe für Betroffene. Sie verfügen über spezielle Gläser, die das Licht in einer speziellen Weise brechen. Auf diese Weise kann die Brille an die Stelle des defekten Zapfens treten. Die Brillen müssen an jede Person angepasst werden. Statistisch wird in 95 Prozent der Fälle eine Verbesserung erreicht. Dies ist aber nicht zwangsweise gleichbedeutend damit, dass die Farbblindheit vollständig verschwindet. Trotzdem ist die Korrektur durch die Brille für viele Menschen wie eine Erlösung.

Als deutschen Anbieter für Farbenblind-Brillen gibt es hier nur die Firma Colordrop.de

Farbenblind im Alltag: Wie sieht man?

Betroffene können durchaus unterschiedliche Farbtöne erkennen. Sie benennen deshalb beispielsweise die Farben in der Regel richtig, auch, wenn für Sie Blau wie Grau aussieht. Insgesamt erscheinen die Farben greller. Es gibt dabei einen Ton, der den optischen Eindruck dominiert – beispielsweise Rot.

Rot-Grün-Schwäche: die häufigste Farbenblindheit

Die Rot-Grün-Schwäche ist die häufigste Form der Farbenblindheit. Allerdings handelt es sich eigentlich um zwei verschiedene Phänomene – entweder bereitet der Rot- oder der Grün-Zapfen Probleme. Mittels Ishihara-Tafeln lässt sich die Rot-Grün-Schwäche in der Regel genau bestimmen.

1,1 Prozent der Männer leiden unter einer Rot-Schwäche. Bei einer Grün-Schwäche sind es fünf Prozent. Frauen sind deutlich seltener betroffen: Für die Rot-Schwäche sind 0,03 Prozent und für die Grün-Schwäche 0,5 Prozent.

Nicht nur Menschen sind betroffen – diese Tiere sind farbenblind

Farbblindheit ist kein exklusives menschliches Problem. Im Gegenteil sind auch viele Tierarten betroffen. Häufig ist dabei aber eine Sehschwäche und keine totale Blindheit. Ausnahmen sind einige Affenarten. Nachfolgend finden Sie eine kurze Liste mit Beispielen. Drei der Exempel werden vertieft.

  • Hunde
  • Mäuse
  • Katzen
  • Bullen
  • bestimmte Affenarten

Farbenblindheit bei Hunden

Tiere haben typischerweise ein Problem mit Rot. Hunde sind hierfür ein ausgezeichnetes Beispiel. Sie haben Zapfen für Blau und Grün, aber eben nicht für Rot. Durch den Spektralbereich ihrer entsprechenden Zellen sehen die die besten Freunde des Menschen vor allem bläulich und gelblich.

Farbenblindheit bei Katzen

Katzen fehlt ebenfalls der Zapfen für Rot. Diese Farbe erscheint für sie gräulich. Dafür hat sie aber mehr Stäbchen in ihren Augen. Sie braucht deshalb weniger Licht, um zu sehen. Dies ist der Grund, weshalb sie so gut im Dunkeln sehen kann.

Farbenblindheit bei bestimmten Affenarten

Nachtaktive Affen sind vollständig farbenblind. Beispielhaft seien die Neuwelt- bzw. Breitnasenaffen genannt. Forscher vermuten, dass es daran liegt, dass sie in der Nacht keine Vorteile hätten, könnten sie Farben sehen. Dafür haben sie ein besseres räumliches Vorstellungsvermögen.

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