Wieso beschlagen Brillengläser?

Jeder Brillenträger kennt das Problem: Kommt man aus der Kälte in einen warmen (sprich beheizten) Raum, beschlagen von einer auf die andere Sekunde die Brillengläser. Warum ist das so? 

Der Temperaturunterschied zwischen Raumluft und Brillengläsern lässt die Gläser Beschlagen

Die Ursache für das Beschlagen der Brillengläser ist der Temperaturunterschied zwischen der Raumluft und den Brillengläsern. Um die Wirkung dieses Temperaturunterschiedes verstehen zu können, muss einem bewusst sein, dass Luft nur eine gewisse Menge Wasserdampf aufnehmen kann - je wärmer, umso mehr. Hat die Luft das Maximum an Wasserdampf aufgenommen, ist sie gesättigt. Das bedeutet: Die (relative) Luftfeuchtigkeit beträgt 100 Prozent. Beim Abkühlen dieser wasserdampfgesättigten Luft - oder beim Zuführen von mehr Wasserdampf - kondensiert der Dampfüberschuss zu feinen Wassertröpfchen. Die Meteorologie bezeichnet dies als Taupunkt - der Augenblick, in dem die maximale Luftfeuchtigkeit bei einer gewissen Lufttemperatur überschritten wird. Schuld am Beschlagen der Brillengläser ist also der Taupunkt.

Ein Phänomen aus der Physik

Hält man sich an Wintertagen im Freien auf, kühlen Brillengläser rasch auf Außentemperatur ab. Betritt man anschließend einen Raum mit feuchtwarmer Luft, trifft diese auf die ausgekühlten Gläser der Brille. Die Raumluft kühlt beim Kontakt mit den Brillengläsern sehr schnell ab. Weil die abgekühlte Luft rund um die Gläser der Brille weniger Wasserdampf als warme Luft aufnehmen kann, kondensiert der überschüssige Dampf zu zahllosen, feinen Wassertröpfchen auf den Brillengläsern. Anders ausgedrückt: Der Taupunkt der Luft, die die Gläser der Brille umgibt, wurde erreicht. Das Phänomen aus der Physik tritt, das ist wohl nicht anders zu erwarten, insbesondere im Falle des Aufeinandertreffens von hoher Luftfeuchtigkeit und niedrigen Außentemperaturen auf - so beispielsweise, wenn man an einem Wintertag eine übervolle Kneipe betritt. Die Raumluft ist dann nicht nur warm, sondern verfügt - ausgelöst durch die Gäste des Lokals - auch über eine vergleichsweise hohe Luftfeuchtigkeit. Übrigens beschlagen nicht nur Brillengläser, sondern auch Gläser mit Kaltgetränken oder Fenster- beziehungsweise Windschutzscheiben, wenn sie mit feuchtwarmer Luft - so beispielsweise unserem Atem - in Berührung kommen.

Mittel und Haushaltshelfer

Vor allem im Herbst und Winter werden die Gläser der Brille bei einem Aufenthalt im Freien sehr schnell auf Außentemperatur abgekühlt. Tritt man dann ins Warme, beschlagen die Brillengläser. Dies schränkt die Sicht auf die Umgebung erheblich ein. Die gute Nachricht: Es gibt einige, bewährte Hausmittel gegen beschlagene Brillengläser. Zu ihnen gehört Speichel, der - man kennt es vielleicht noch vom Tauchen mit Taucherbrille - zahlreiche Enzyme und Eiweiße enthält, die verhindern, dass die Gläser der Brille beim Kontakt mit Wärme und Feuchtigkeit beschlagen. Zugegeben, der Trick mag im ersten Augenblick Ekel und/oder Unbehagen auslösen, doch etwas Speichel, auf die Gläser der Brille gerieben, hilft garantiert. Zwei weitere, bewährte Mittel und Haushaltshelfer gegen beschlagene Brillengläser sind Seife und Spülmittel. Sie halten nicht nur Hände und Geschirr sauber, sondern nehmen Flüssigkeiten und Brillengläsern auch ihre Oberflächenspannung. Auf diese Art und Weise verhindern sie das Festsetzen von Wasserdampf auf der Brille. Einfach etwas Seife oder Spülmittel auf der Oberfläche des Brillenglases verteilen und leicht polieren. Nicht nachspülen. Vorsicht nur bei entspiegelten und/oder beschichteten Gläsern, denn diese sind sehr empfindlich und könnten beschädigt werden. Dann hilft nur noch das rechtzeitige Reinigen der Brille bei eintretendem Beschlag. Auf diese Art und Weise hat man schnell wieder den optimalen Durchblick. Zum Putzen empfiehlt sich die Verwendung eines fusselfreien Tuches. Eine weitere Idee ist die Verwendung von Kontaktlinsen, mit denen man auch bei Regen und Schnee bestens vor beschlagenen Brillengläsern geschützt ist.