Brillenversicherung Ratgeber:
Sinnvoll oder Nutzlos?

Brillenversicherung in Deutschland

Sehhilfen sind für viele Menschen unverzichtbar im Alltag. Die gesetzliche Krankenkasse zahlt in Deutschland allerdings seit 2003 praktisch überhaupt nichts mehr für Brillen oder Kontaktlinsen. Eine Versicherung als zusätzliche Police kann diese Versorgungslücke schließen. Allerdings unterscheiden sich die einzelnen Angebote stark nach Leistungen und Preisen – nicht für jeden ist deshalb jede Brillenversicherung gleich sinnvoll.

Das sollten Sie unbedingt über eine Brillenversicherung wissen:

  • Die meisten Brillenversicherungen kommen für eine Brille oder einer Brillenreparatur, bei Verlust, Beschädigung oder für eine Erstanschaffung auf.
  • Die Kosten einer Brillenversicherung kann nicht von der Steuer abgesetzt werden
  • Einige Sehhilfen-Versicherungen zahlen sogar Augen-Lasern Operationen.
  • Die günstigsten Brillenversicherung beginnt bei nur einigen Euros monatlich.
  • Der Maximalbetrag, den eine entsprechende Police übernimmt, ist in der Regel gedeckelt.
Brillenversicherung ratgeber in Deutschland

Was ist eine Brillenversicherung?

Eine Brillenversicherung ist grundsätzlich eine private Zusatzversicherung. Dies bedeutet, dass Sie eine monatliche Prämie bezahlen, dafür aber eine Kostenerstattung erhalten, wenn Sie eine neue Brille benötigen. In der Regel müssen Sie dabei in Vorleistung gehen. Sie zahlen also die Brille und reichen die Rechnung des Augenoptikers anschließend bei einer Versicherung wie der HanseMerkur oder Apollo ein. Diese prüft den Beleg und erstattet Ihnen anschließend die Kosten.

Laufzeit einer Brillenversicherung

Brillenversicherungen laufen in der Regel für eine bestimmte Zeit – beispielsweise 24 oder 48 Monate.

Wird die Police in dieser Zeit nicht gekündigt, verlängert sie sich zumeist automatisch um ein Jahr oder zwei.

  • Beachten Sie deshalb die Kündigungsfristen, wenn Sie eine entsprechende Versicherung suchen.

Die Policen machen zudem eine medizinische Veranlassung zur Voraussetzung, um eine Leistung zu gewähren. Dies bedeutet, dass Sie beispielsweise kurzsichtig sein müssen. Sie können über die Versicherung nicht die Kosten für eine Sonnenbrille mit Sehstärke abrechnen, wenn Sie diese nicht aus gesundheitlichen Gründen benötigen.

Nicht jede Sehhilfenversicherung ist eine Brillenversicherung

Es handelt sich bei dem Begriff der Brillenversicherung nicht um einen Fachausdruck. Entsprechend vielfältig das Wort eingesetzt. Manche Anbieter verwenden es als Synonym für eine allgemeine Sehhilfenversicherung. Die Police deckt dann beispielsweise auch Kontaktlinsen ab. Eventuell zahlt sie sogar eine Augen-Lasern Operation, die künftig das Tragen einer Sehhilfe überflüssig macht. Hierfür wird eine Günstiger-Rechnung erstellt:

Ist die OP hochgerechnet auf die Versicherungszeit weniger kostenintensiv als die Brille oder die Kontaktlinsen, würde die Police diese übernehmen.

Andere Anbieter verstehen unter Sehhilfe aber nur das, was der Name bereits ausdrückt. Eine Police, die nur für Brillen aufkommt.

Deshalb gilt die einfache Regel:

Jede Sehhilfeversicherung ist immer auch eine spezielle Brillenversicherung. Aber nicht jede Brillenversicherung ist eine allgemeine Sehhilfeversicherung.

Was kostet eine Brillenversicherung?

Die Kosten für eine Brillenversicherung sind in der Regel an die Deckungssumme der Police gebunden. An dieser Stelle wird es etwas kompliziert. Die Deckungssumme kann…

  • sich nach dem Listenpreis der Sehhilfe richten. Dies bedeutet: Die Police deckt beim Kauf oder der Reparatur einer Brille die Kosten bis zu dieser Höhe ab. Alternativ kann aber auch der Listenpreis der gegenwärtigen Sehhilfe gemeint sein. Die Versicherung geht dann davon aus, dass Sie bei Bedarf eine vergleichbare Brille anschaffen würden.
  • einer jährlicher Gesamtpreis sein. Dies bedeutet, dass Sie pro Jahr insgesamt höchstens diesen Betrag erstattet bekommen.
  • ein Gesamtpreis sein. Dies bedeutet, dass Sie während der gesamten Versicherungslaufzeit maximal diesen Betrag erstattet bekommen.
  • durch Zuzahlung erhöht werden. Dies heißt, dass die Police nicht die gesamten Kosten für die Sehhilfe trägt, sondern Sie einen Anteil übernehmen müssen. Je höher Ihre Zuzahlung ausfällt, desto höher ist die Deckungssumme. Alternativ können dadurch Ihre monatlichen Prämien sinken. 

Grundsätzlich gilt:

Ihre Kosten sind umso höher, je höher die Deckungssumme ist und je mehr Leistungen die Police abdeckt.

Die günstigsten Brillenversicherungen beginnen bei nur einigen Euro pro Monat. Sie können aber leicht auf mehr als zehn Euro klettern. Die einzelnen Anbieter unterscheiden sich zudem danach, ob Sie eine einmalige Prämie für den gesamten Versicherungszeitraum zahlen müssen oder ob Ihr Beitrag monatlich abgebucht wird.

Brillenversicherung von der Steuer absetzen?

Leider können Brillenversicherung nicht von der Steuer abgesetzt werden. Diese gilt nicht als Werbungskosten.

Leistungen: Was decken Brillenversicherungen meistens ab?

Beim Leistungskatalog sind drei Arten von Brillenversicherungen zu unterscheiden:

1. Ersatz für die Zuschüsse

Zuschüsse wurden früher von der gesetzliche Krankenversicherung gezahlt: Diese Policen sind sehr günstig. Dafür werden aber auch nur einfache Brillen komplett übernommen. Es gibt lediglich eine niedrige Deckungssumme. Diese wird als Zuschuss gezahlt, wenn Sie sich eine teurere Brille anschaffen möchten. Der Rest muss von Ihnen getragen werden. Reparaturen der Brillen sind in der Regel nicht abgedeckt. Gleiches gilt für Kontaktlinsen und sonstige Sehhilfen.

2. Umfangreiche Brillenversicherungen

Erst- und Neuanschaffungen von Brillen oder neuen Brillengläsern werden übernommen. Dies gilt auch bei Verlust – beispielsweise durch Diebstahl. Der Leistungskatalog deckt auch Reparaturen (zerkratzte Brillengläser) ab. Die Deckungssummen können sehr hoch sein. Teilweise können ebenfalls Kontaktlinsen über diese Policen abgerechnet werden. Geschliffene Sonnenbrillen und Gleitsichtbrillen sind ebenfalls inbegriffen.

3. Versicherungen für Sehhilfen aller Art:

Die Kosten für die Anschaffung und die Reparatur von Sehhilfen aller Art werden übernommen, solange diese medizinisch notwendig sind. Im Extremfall können auch Operationen gezahlt werden.

Brillenversicherungen konkret vorgestellt

Die bisherigen Erläuterungen blieben an einigen Stellen noch etwas abstrakt. Um dies zu ändern, möchten wir Ihnen zwei Brillenversicherungen konkret vorstellen:

Die Brillenversicherung von Fielmann & HanseMerkur im Check

Der Optiker Fielmann bietet im Zusammenspiel mit HanseMerkur eine Brillenversicherung an. Für Brillen mit Einstärkengläsern beträgt der Jahresbeitrag 10 Euro.

Für Mehrstärkengläser-Brillen (z.b. Gleitsichtbrille) müssen Sie 50 Euro Jahresprämie einrechnen.

Bei einer Sehstärkenveränderung ab 0,5 Dioptrien werden kostenlos die Gläser getauscht. Gleiches gilt bei Bruch oder Beschädigung der Gläser. Alle zwei Jahre haben Sie als Versicherter zudem Anspruch auf eine kostenlose Brille aus der Nulltarif-Kollektion. 

Das gilt es zu beachten:

Die realen Preise der Brillen, die sich in dieser Kollektion befinden drehen sich um die 10-20€. Daher kann man nicht von einem starken monetären Vorteil sprechen.

Wenn Sie eine Brille aus der Zuzahlungs-Kollektion erhalten möchten, bekommen Sie durch die Versicherung einen Zuschuss. Für Einstärkenbrillen sind dies 15 Euro (5 Euro pro Glas und 5 Euro für die Fassung). Bei Mehrstärkenbrillen beträgt der Zuschuss 70 Euro (32,50 Euro pro Glas und 5 Euro für die Fassung).

Fielmann bietet zudem eine Sonderleistung: Der Optiker übernimmt in den ersten zwei Jahren nach dem Kauf 70 Prozent des Anschaffungspreises (ohne Zuschuss), wenn Sie eine neue Sehhilfe wegen Bruch, Beschädigung oder eine Veränderung der Sehstärke (ab 0,5 Dioptrien) benötigen.

Nicht abgedeckt werden von der Versicherung Kontaktlinsen, Sonnenbrillen oder medizinische Behandlungen.

Die Brillenversicherung von Apollo

Apollo bietet ebenfalls eine reine Brillenversicherung. Diese läuft zwei Jahre und ist für Neuanschaffungen und Glasersatz gedacht. Der Versicherungsbeitrag muss im Voraus komplett bezahlt werden.

Abgedeckt wird nur die komplette Neuanschaffung einer Brille. Die Versicherungshöhe richtet sich nach der Höhe des Listenpreises der gegenwärtigen Brille. Folgende Staffelung kommt zum Einsatz:

Listenpreis / Höhe des Versicherungsbeitrags:

Beispiel: Ihre Brille kostet 220€ - dann kostet der Versicherungsbeitrag pro Jahr 30€

  • - 100,-€ / 10,-€ Versicherungsbeitrag
  • - 101 bis 200,-€ / 20,-€ Versicherungsbeitrag
  • - 201 bis 300,-€ / 30,-€ Versicherungsbeitrag
  • - 301 bis 400,-€ / 40,-€ Versicherungsbeitrag
  • - 401 bis 500,-€ / 50,-€ Versicherungsbeitrag
  • - 501 bis 600,-€ / 60,-€ Versicherungsbeitrag
  • - 601 bis 700,-€ / 70,-€ Versicherungsbeitrag
  • - 700,-€ / 75,-€ Versicherungsbeitrag

Fazit: Für wen lohnt sich eine Brillenversicherung?

Eine Brillenversicherung ist für jeden geeignet, der eine Sehhilfe benötigt und nicht über eine private Krankenversicherung, die diese mit abdeckt. Brillengläser gehen schnell zu Bruch oder werden beschädigt. Selbst Kinder und Jugendliche, bei denen die gesetzliche Versicherung noch Einstärkenbrillen zahlt, profitieren eventuell von einer entsprechenden Police. Wenn Sie Gleichtsichtgläser benötigen, erhalten sie ohne zusätzliche Versicherung keine Kostenerstattung. Dauerhaft eignet sich beispielsweise eine Police wie die von Fielmann und HanseMerkur: Alle zwei Jahre wird kostenlos eine neue Brille übernommen.

AKTION + 1 1a 2 3 3a 4 5